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INDOOR ~ ZIMMERBONSAI

Inhalt:


  Wo Bonsai drauf steht, sollte auch Bonsai drin sein....
   
   
  Standort
  Giessen
  Düngen
  Umtopfen
  Schneiden
  Drahten
  Der Bonsai kränkelt....
   
  Beratung und Soforthilfe
  Kurse
  Detaillierte Hinweise zu den einzelnen Zimmerbonsaiarten



Allgemeines zur Bonsaikunst

Die Bonsaikultur hat ihre Ursprünge im alten China und ist nach heutigen Erkenntnissen bereits zu Beginn unserer christlichen Zeitrechnung gepflegt worden. Zwischen dem 10. und 12. Jahrhundert n.Chr. fand sie durch buddhistische Mönche in Japan Verbreitung. Daher entspringt auch die Bezeichnung „Bonsai“ dem Japanischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Baum in der Schale“ (Bon = Schale, Gefäss, Tablett / Sai = Baum, Pflanze).
Entscheidend ist jedoch, dass die Bedeutung des Wortes „Bonsai“ das kreative Arbeiten mit der Pflanze einschliesst und insofern auf die kulturelle Tradition als künstlerisches Handwerk verweist.

Bei der Gestaltung eines Bonsai geht es niemals darum, der Pflanze die eigenen Schönheitskriterien aufzuzwingen. Wichtig ist stets, die natürlichen Wuchseigenschaften zu erkennen und durch die gestaltenden Eingriffe zu unterstützen – so soll die Charaktereigenschaft betont, die natürliche Schönheit der Pflanze hervorgehoben werden. Gemäss den Kriterien von Harmonie und Ästhetik besteht dabei die Kunst vor allem im Weglassen.
Wenn der Pflanze ihre Ausdrucksmöglichkeiten nicht belassen werden, entsteht letzten Endes ein entsprechend künstliches und artfremdes Machwerk, das mithin als Bonsai nicht überzeugen kann.

Grundsätzlich lässt sich jede Baum- und Strauchart als Bonsai gestalten, auch einheimische Pflanzen eignen sich sehr gut. Im Unterschied zu den Zimmerbonsai, die vornehmlich aus dem tropischen und subtropischen Asien stammen, werden einheimische Pflanzen als Gartenbonsai gehalten und müssen während des ganzen Jahres im Freien stehen – dies gilt für alle Baum- und Straucharten, die in den gemässigten Klimazonen (West- und Mitteleuropa, Ostasien, nordöstliche USA) beheimatet sind.


 
Wo Bonsai drauf steht, sollte auch Bonsai drin sein....
Seit einigen Jahren werden Pflanzen vom Grosshandel als Bonsai verkauft, obwohl sie mit dem klassischen Bonsai absolut nichts zu tun haben. Man nimmt eine Wurzel als Stamm oder mehrere raschwüchsige Pflanzen werden zu einem "Bonsai" zusammengesetzt, indem man ihnen Äste einer anderen Pflanze in den Stamm setzt.
 
Und so wird's gemacht……
         
 
   
Drei raschtreibende Ficus benjamina (Birkenfeige) werden mit Einsatz von Dünger zum extrem raschen Wachstum angeregt, um dann zu einem unnatürlichen Stamm geflochten und in die gewünschte Form gebracht zu werden   Da die drei "Stämme" nicht wirklich wie ein Baum aussehen, wird jetzt intensiv nachgeholfen. Man nimmt die Rinde eines grossen Ficus und wickelt damit die drei Triebe ein.   Diese Rinde verwächst rasch und schon hat man einen dicken Stamm. Aber was noch fehlt, sind die passenden Äste. Diese nimmt man wiederum von einem grossen Ficus und setzt diese Triebe einfach in den Stamm, wie auf unten stehendem Beispiel gezeigt wird. So kommt man zu einer mit wenig Aufwand produzierten Pflanze, welche sich unter Deckmäntelchen „Bonsai“ mit gutem Profit verkaufen lässt.
         
         
   
Diese Ficusart ist ein raschwachsender Feigenbaum mit knollenförmigen Wurzeln. Diese werden freigelegt und die feinen Wurzeln, welche zur Wasseraufnahme dienen, bleiben in der Erde. Oberhalb der Knollenwurzel wird die Pflanze gekappt....   ....und Triebe des kleinblättrigen Ficus microcarpa werden aufgepfropft....   ....und schon heisst er Ficus Ginseng. Das Aufpfropfen ist eine Methode und Kunst, welche vor allem beim Veredeln von Pflanzen angewendet wird. Was wir hier sehen ist allerdings weit entfernt von handwerklichem Geschick oder gar Kunst (Bild Mitte mit aufgepropftem Ast als Baumkrone).
         
         
 
 
 
 

Die Pflege der Zimmerbonsai

Standort
Zimmerbonsai sind grösstenteils in den Tropen und Subtropen heimisch und sind daher ständig auf warme Temperaturen angewiesen. Somit eignen sie sich bestens, das ganze Jahr über in der Wohnung gehalten zu werden. Während den Sommermonaten ist jedoch auch ein geschützter Platz im Freien als Standort hervorragend geeignet.
Ein Zimmerbonsai braucht auch im Winter viel Licht und sollte folglich an einen möglichst hellen Fensterplatz gestellt werden. Da jedoch unter dem Fensterbrett üblicherweise Heizkörper angebracht sind, kann die Gesundheit der Pflanze wegen allzu trockener Luft Schaden nehmen. Um dies zu verhindern, stellt man die Bonsaischale auf einen mit Kieselsteinen gefüllten Unterteller, welcher mindestens der doppelten Schalengrösse entsprechen sollte. Die Kiesel sind konstant feucht zu halten; allerdings muss darauf geachtet werden, dass die Schale nicht im Wasser steht und die Pflanze durch die Abflusslöcher im Schalenboden Wasser aufnehmen kann, ansonsten droht Wurzelfäulnis. Das Wasser im Unterteller verdunstet bei Zimmertemperatur und sorgt so für eine erhöhte Luftfeuchtigkeit im unmittelbaren Umfeld des Bonsai. Zusätzlich empfiehlt es sich, die Blätter ein bis zwei mal täglich mit einem Wasserzerstäuber zu besprühen.
Im Winter benötigt der Zimmerbonsai einen hellen Fensterplatz in der Wohnung, im Sommer eignet sich ein Platz im Freien hervorragend.


Giessen

Die Erde sollte nie vollständig austrocknen, darf aber vor allem auch nicht andauernd nass sein, damit die feinen Wurzeln nicht von Fäulnis befallen werden. Zum Wässern eignen sich verschiedene Methoden; z. B. ein Wasserbad wie unten beschrieben oder mit der Giesskanne oder der Ballbrause giessen. Für welche Art man sich entscheidet hängt vom Bonsai und der Situation ab. Ein Bonsai welcher voller Blätter ist und in einer nicht zu grossen Schale steht, verträgt ein Wasserbad sehr gut. Verliert jedoch derselbe Bonsai aus irgendeinem Grund seine Blätter oder wird er stark zurückgeschnitten, sollte man auf die Giesskanne oder Ballbrause zurückgreifen. Denn Pflanzen verdunsten das Wasser über ihre Blätter. Je weniger Blätter sie hat, desto weniger Wasser verbraucht sie. Wenn man weiterhin ein Wasserbad gibt, bleibt die Erde zu lange nass. In der Folge würden die Wurzeln faulen und absterben. Daher ist es wichtig, dass die Erde vor dem nächsten Giessen leicht antrocknen kann.

Der Unterschied zwischen den verschiedenen Giessmethoden:
Den Erdballen kann man sich wie einen Naturschwamm vorstellen. Wird er ins Wasser getaucht, saugt er sich komplett voll. Wird er in trockenem Zustand mit der Giesskanne begossen, sickert das Wasser langsam durch ihn durch, wobei er unten nasser ist als oben. Da bei der Ballbrause weniger Wasser als bei der Giesskanne herausfliesst, muss eher mehr gewässert werden, damit die Erde nicht nur an der Oberfläche feucht wird.

Zum Giessen sollte möglichst kalkarmes Wasser verwendet werden – also idealerweise Regenwasser oder abgekochtes Leitungswasser. Das Giesswasser sollte idealerweise leicht lauwarm sein oder zumindest Zimmertemperatur haben.
       
 
Wasserbad      
   
Kalkarmes Wasser oder Regenwasser zum Wässern benutzen.   Die ganze Bonsaischale für wenige Sekunden unter Wasser tauchen.   Den Bonsai leicht schräg halten, sodass das überschüssige Wasser gut abläuft.
         
Wasserzerstäuber   Giesskanne   Ballbrause
   
Ist die Erde stark angetrocknet, sollte man sie zuerst mit dem Wasserzerstäuber gut benetzen. Man verhindert damit, dass das Wasser auf der trocknen Erde abperlt und zu wenig Wasser aufgenommen wird.   Die Wassermenge gleichmässig über die angefeuchtete Erde verteilen und solange giessen, bis das Wasser aus den Löchern auf der Schalenunterseite heraustropft, es sei denn, der Bonsai sollte nur wenig Wasser erhalten.   Bei der Ballbrause ist zu beachten, dass sie maximal 2,5 Deziliter Wasser fasst. So muss man bei grösseren Bonsai die Erde mehrmals überbrausen.
 


Düngen
Von März bis Oktober versorgt man die Zimmerbonsai jeweils alle zwei Wochen mit einem Bonsaidünger, der gemäss den entsprechenden Dosierungsempfehlungen dem Giesswasser oder dem Wasserbad beigegeben wird. Von November bis Februar ist eine monatliche Düngung ausreichend.
Dem Giesswasser sollte von Frühjahr bis Herbst alle zwei Wochen, während den Wintermonaten einmal pro Monat Bonsaidünger beigegeben werden.


Umtopfen

Zimmerbonsai werden optimalerweise alle zwei Jahre jeweils im März, spätestens im April umgetopft. Dabei ist ein Wurzelschnitt erforderlich, bei dem vor allem die dicken Wurzeln zurück geschnitten werden. Wichtig ist jedoch, dass man genügend feine Wurzelhärchen belässt, damit die Wasseraufnahme der Pflanze weiterhin gewährleistet ist. Die neue Schale wählt man so, dass sie in Form und Farbe mit der Pflanze harmoniert. Zu einem Bonsai mit schlankem Stamm und zierlichem Wuchs passt eine flache Schale, während einem knorrigen Baum mit dickem Stamm eine tiefere Schale entspricht.
Zum Umtopfen ist ausschliesslich Bonsaierde zu verwenden, denn sie muss eine Reihe von Anforderungen erfüllen, u. a. den Wurzeln Halt geben, Nährstoffe speichern und die Sauerstoffzufuhr gewährleisten.

       
 

Wie oft wird ein Bonsai umgetopft?

     

Alle zwei bis drei Jahre oder....

     
   
.... wenn die Erde verbraucht und/oder verdichtet ist oder ....  

.... wenn der Wurzelballen ....

 

.... stark durchwurzelt ist.

         
Wie wird umgetopft?        
   
Mit dem Spatel den Wurzelballen rund herum vom Schalenrand lösen ....   .... und ihn heraushebeln.   Mit der Wurzelkralle und einem Holzstäbchen wird vorsichtig die alte Erde entfernt und die Wurzeln entwirrt. Am besten beginnt man an der unteren Kante.
         
   

.... sehr wichtig ist, dass die Wurzeln mit einem Wasserzerstäuber immer befeuchtet werden, damit sie nicht austrocknen.

  .... es werden vor allem die dickeren Wurzeln eingekürzt, von den feinen Wurzeln werden nur die Spitzen zurückgeschnitten.  

Insgesamt wird die Wurzelmasse um ca. 1/3 eingekürzt.

       
   
Die Abflusslöcher in der Schale werden mit einem Abdeckgitter abgedeckt ....   .... und einer Drahtschlaufe befestigt, um das Auswaschen der Erde beim Giessen ....   .... zu verhindern. Gitterli mit Drahtschleife oder Gitterplatten und Draht zum selber Zuschneiden sind in unserem Shop erhältlich.
       
   
Zuerst wird ein wenig Bonsaierde in die Mitte der Schale angehäuft, so dass der Stammansatz mind. 1 cm über dem Schalenrand zu liegen kommt ....  

.... der Stamm wird so platziert, dass er entweder leicht links oder rechts von der Mitte zu liegen kommt, jedoch der Bonsai im gesamten harmonisch in der Schale steht.

  Zuerst wird nur wenig Erde in die Schale gefüllt und mit dem Stäbchen vorsichtig zwischen die Wurzelzwischenräume gestochert. Erst wenn die Erde dicht ist und der Bonsai einigermassen hält ....
         
   

.... wird weitere Erde aufgefüllt und ebenfalls in die Wurzelzwischenräume eingearbeitet. Man sollte die Erde aber nicht zu stark verdichten, damit das Abfliessen des Giesswassers nicht verhindert wird.

  Unmittelbar nach dem Umtopfen muss der Bonsai gut gewässert werden. Damit die frische Erde nicht ausschwemmt, kann man die Schale solange in ein Becken mit Wasser stellen, bis die Erdoberfläche feucht ist.   ....fertig umgetopter Bonsai.
 


Schneiden
Der Formschnitt – das Zurückschneiden der Triebe – wird bei den Zimmerbonsai fortwährend vorgenommen. Je nach Pflanzenart und Jahreszeit werden die Triebe, sobald sie 4 bis 15 cm lang gewachsen sind (je länger man den Trieb wachsen lässt, desto dicker wird er), auf ein bis drei Knospen zurückgeschnitten. Ob die erste, zweite oder die dritte Knospe stehen gelassen wird, hängt unter anderem von der gewünschten Wachtumsrichtung, dem Abstand zwischen den Knospen und der Blatt- bzw. Knospenstellung ab.
Der Rückschnitt der Triebe sollte unbedingt mit einer Bonsaischere durchgeführt werden, um eine saubere Schnittstelle zu gewährleisten. Diese Spezialwerkzeuge haben sehr scharfe Klingen und weisen im Gegensatz zu anderen Scheren einen Schliff auf, der die weichen Triebe nicht quetscht. Es gibt grosse Qualitätsunterschiede beim Bonsaiwerkzeug, was auch die zum Teil grossen Preisunterschiede bei den Händlern erklärt. Eine gute Schere erleichtert nicht nur das Arbeiten am Bonsai, sondern die Schnittstellen können auch schneller und besser verheilen. Auch hält die Schere sehr lange ohne nachschleifen zu müssen.
   
  Knospen-, Blattanordnung gegenständig - wechselständig      
   
 
     
  Gegenständige Blattstellung: Die Blätter/Knospen sind gegenüberliegend angeordnet, es stehen immer zwei Blätter mit den Knospen auf gleicher Höhe, man spricht dann von Blattpaaren.  

Wechselständige Blattstellung: die Blätter und Knospen sind abwechslungsweise links und rechts angeordnet.

 
  Gegenständig angeordnete Blätter, z. B. bei: Liguster, Portulacaria, Olivenbaum, Serissa   Wechselständig angeordete Blätter z. B. bei: Carmona, chin. Ulme, Ficus, Murraya, Pfefferbaum  
       
         
  Wozu sind die Knospen da?      
  Knospen dienen dem Wachstum und der Verzweigung der Pflanze. Zum Austrieb angeregt werden sie unter anderem durch das Zurückschneiden.  
       
     
  Knospen bei gegenständiger Blattanordnung (Beispiel Serissa). Die Knospe sitzt in der Blattachsel. Fällt das Blatt aus irgend einem Grund ab, ist die Knospe immer noch vorhanden. Die Knospe selbst ist kaum oder gar nicht sichtbar. Sie befindet sich jeweils oberhalb der Blattrille.   Knospen bei wechselständiger Blattanordnung (Beispiel chinesische Ulme). Die Knospe sitzt auch hier in der Blattachsel. Bei Blattverlust sind die Knospen am Trieb meistens von Auge sichtbar. Sie befinden sich oberhalb der Blattrillen.  
       
         
  Der Formschnitt an Bonsai mit gegenständiger Blattanordnung - Nachdem ein Trieb mehrere Zentimeter gewachsen ist, schneidet man ihn bei den meisten Bonsaiarten auf das erste Knospenpaar zurück. Falls der Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Knospenpaar nur zwei, drei Millimeter beträgt, kann gegebenenfalls das zweite Knospenpaar belassen werden. Da bei der gegenständigen Blattanordnung bei der Schnittstelle immer zwei Knospen sitzen, können auch beide austreiben (Doppeltrieb). Dabei wird der eine Trieb meistens länger als der andere, es kann mitunter vorkommen, das nur eine Knospe austreibt.  
 
 
     
 
In der Regel schneidet man auf das erste Knospenpaar zurück.
 

Meistens ist der Abstand zwischen dem ersten und dem zweiten Knospenpaar zu lang, deshalb wird auf das erste Knospenpaar zurückgeschnitten, was eine feine Verästelung bewirkt.

 
       
 
 
     
  Da der Abstand bei diesem Beispiel zwischen dem ersten und dem zweiten Knospenpaar sehr klein ist, kann man auf das zweite Knospenpaar zurückschneiden.  
Nach dem Schnitt bei Pflanzen mit gegenständiger Blattanordnung sind zwei Knospen an der Triebspitze, welche beide austreiben können. Wobei in der Regel der eine Trieb lang auswächst, während der andere kurz bleibt oder gar nicht austreibt.
 
       
         
  Der Formschnitt an Bonsai mit wechselständiger Blattanordnung - Wenn die Triebe einige Zentimeter lang gewachsen sind, schneidet man sie auf die erste, zweite oder allenfalls dritte Knospe zurück. Ob man sich für die erste oder die zweite Knospe entscheiden soll, hängt von der gewünschten Wachstumsrichtung ab. Um eine harmonische Form zu erhalten, sollten alle Triebe vom Stamm weg wachsen sowie eher waagrecht als senkrecht wachsen.  
 
 
     
  Wenn Sie auf die 1. oder 3. Knospe zurückschneiden, wächst der neue Trieb nach links. Wenn Sie bei der 2. Knospe zurückschneiden, wächst der neue Trieb nach rechts.  

In diesem Beispiel schneidet man auf die 2. Knospe, damit der Neuaustrieb in die Gegenrichtung wächst und der Ast dadurch eine harmonische Bewegung bekommt.

 
       
         
 
   
In diesem Beispiel sind die Knospen so angeordnet, dass die erste Knospe nach unten weist, die zweite nach oben und die dritte wiederum nach unten.   In solch einem Fall wird immer auf eine nach unten weisende Knospe zurück-
geschnitten.
  Würde auf eine nach oben weisende Knospe zurückgeschnitten, würde der Neuaustrieb senkrecht nach oben wachsen. Schneidet man hingegen auf die nach unten weisende Knospe zurück, wächst der neue Austrieb in einer harmonischen waagrechten Richtung.
 
       
       
 
   
Überstehende Aststummel werden mit der Knospen- oder Konkavzange dicht am Ast abgeschnitten. Die spezielle Klingenform dieser beiden Werkzeuge hinterlässt eine Vertiefung im Stamm, welche durch den sauberen Schnitt gut verheilen kann. In diesem Beispiel wurde die Knospenzange angewandt.
 
       
       
 
   
Kleinere Überstände an den verholzten Trieben werden mit der schmalen Konkavzange weggeschnitten.
 
       
         
     
  Äste, die ganz entfernt werden sollen, schneidet man dicht am Stamm mit der grossen Konkavzange oder der grossen Knospenzange ab. Grössere Schnittstellen sollte man verschliessen, z. B. mit Baumkitt oder Wundpaste.  
         


Drahten
Das Drahten ist bei den Zimmerbonsai während des ganzen Jahres möglich. Zum Drahten eignet sich eloxierter Aluminiumdraht (erhältlich im Bonsai-Fachgeschäft). Die Stärke des Drahtes wählt man je nach Dicke und Elastizität des Astes, der gedrahtet werden soll. Den Draht windet man in einem 45°-Winkel um Stamm und Äste und biegt sie in die gewünschte Form. Nach einigen Wochen, resp. Monaten des Wachstums, spätestens aber wenn der Draht einzudrücken beginnt, wird er wieder entfernt.


Der Bonsai kränkelt....

Wie bei Bäumen in der freien Natur ist es auch bei Zimmerbonsai völlig normal und insofern keinerlei Grund zur Beunruhigung, wenn sich mitunter ältere Blättchen verfärben und schliesslich abfallen. Ist hingegen längerfristig eine deutliche Steigerung des Blattverlustes erkennbar und betrifft den ganzen Bonsai, besteht Handlungsbedarf. Oft ist ein Pflegefehler (Lichtmangel, Überwässerung, Wassermangel, ungünstiger Standort etc.) die Ursache für jene unerwünschten Veränderungen; gegebenenfalls sind sie aber auch eine Folge von Pilzkrankheiten oder Schädlingsbefall.

Im folgenden sehen Sie einige bebilderte Beispiele von diversen Pflegefehlern, physiologischen Störungen und Schädlingsbefall, welche den Bonsai betreffen könnten.
       
Schädlinge:      
 
Blattläuse:      
Blattläuse treten in verschiedenen Farben auf. Sie befinden sich meist in grosser Zahl an den Triebspitzen. Sie sondern einen klebrigen Nektar ab, welcher oft auf den Blättern sowie dem Schalenrand sichtbar ist. Im Frühjahr sind oft auch geflügelte Blattläuse vorhanden.
   
Blattlausbefall an einem Szechuanpfeffer (Zanthoxyllum)   Gelbliche Blattläuse und weisse Häutungsreste an Carmona. Auf den Blättern sind die klebrigen und glänzenden Ausscheidungen der Läuse zu erkennen.   Lebende Blattläuse (gelblich) und weissliche, ausgetrocknete Körperhüllen.
Was kann man gegen Blattlausbefall tun?
Zur Bekämpfung der Blattläuse kommt man nicht umhin, ein Insektizid zu spritzen. Geeignete Mittel sind z. B. Calypso, Contra X2, Natur-Insektizid, welche in unserem Shop erhältlich sind.
       
       
Schildläuse:        

Schildläuse erkennt man in erster Linie an ihren braunen oder schwarzen, höckerigen Schilden. Die Läuse oder deren Eier befinden sich unter diesem Schild. Meist haften Sie an den Blattstielen, Trieben oder Ästen, manchmal auch auf den Blättern. Typisch für alle Lausarten sind ihre klebrigen Absonderungen, die auf den Blättern, dem Schalenrand oder manchmal auch um seinen Standort herum sichtbar ist.

   
Eine flache, hellbraune Schildlausart auf einem Ficusblatt.   Mehrere Schildläuse auf der Blattunterseite eines Ficus. Im Hintergrund sieht man die Ausscheidungen (Zuckerwasser) der Schildläuse in Tropfenform.   Eine dunkelbraune, gut getarnte Schildlaus am Ast einer Carmona.
Was kann man gegen Schildlausbefall tun?
Am besten kratzt man erst die Schilder mit dem Fingernagel oder einer langen Pinzette ab, um die darunter befindlichen Läuse oder deren Eier frei zu legen. Hernach sollte die Pflanze gut mit einem Insektizid eingespritzt werden. Je nach Bedarf wiederholen. Geeignete Mittel zur Bekämpfung sind z. B. Calypso, Contra X2, Natur-Insektizid, welche in unserem Shop erhältlich sind.
       
         
Schmier- und Wollläuse:        
Diese Lausart kann eine Körperlänge von einem bis 12 Milimetern erreichen. Ihr Körper ist oval, weisslich, auf ihrem Rücken sind quer zu ihrem Körper feine, dunklere Rillen zu erkennen. Oft bedecken sich die Schmierläuse mit weissen, aus Wachs bestehenden Haaren, um sich vor Feinden zu schützen. Sie legen ihre Eier in einer Hülle ab, die aus weissen, klebrigen Fäden besteht und an Wattebäuschchen erinnert. Diese sind von Auge gut zu erkennen. Die Gelege befinden sich meist an schwer zugänglichen Stellen, wie z. B. Astgabelungen, am Blattansatz und Vertiefungen.
Was kann man gegen Schmier- und Wolllausbefall tun?
Am besten entfernt man die Schmier- und Wollläuse, sowie die Gelege mit einem mit Alkohol befeuchteten Wattestäbchen. Nachher empfiehlt es sich den Bonsai mit einem Insektizid, wie zum Beispiel Calypso, Contra X2, zu behandeln.
       
         
Spinnmilben:        
Die Spinnmilbe ist ausgewachsen nur etwa 0,4 mm gross und von Auge kaum sichtbar. Ausserdem hält sie sich vorwiegend auf der Blattunterseite auf. Dort sticht sie die Blattzellen an und saugt den Saft aus. Die vielen ausgesaugten Zellen werden an der Oberfläche der Blätter als kleine gelbliche Flecken sichtbar. Die Milben spinnen im Gegensatz zu den Spinnen, ein extrem feines Netz, welches nur wenige Zentimeter gross ist. Spinnmilbenbefall erkennt man an den gelbgefleckten Blättern sowie den weisslichen Häutungsresten auf der Blattunterseite. Bei genauem Hinsehen sind feinste Spinnnetze zwischen den befallenen Blättern zu erkennen, auf denen sich kleine gelblich bis rötliche Punkte bewegen.
   
Sehr starker Spinnmilbenbefall an einer chinesischen Ulme. Deutlich sind die feinen Netze zwischen den Blättern zu sehen.  
Spinnmilben und deren weisse Häutungs-reste auf der Unterseite eines Blattes der chinesischen Ulme.
  Die Einstichstellen der Spinnmilbe sind als helle, gelbgrüne Flecken zu sehen.
Was kann man gegen Spinnmilbenbefall tun?
Gefahr für Spinnmilbenbefall besteht vor allem, wenn die Umgebungsluft sehr trocken ist, also im Sommer, wenn der Bonsai hinter einer sonnenbeschienenen Fensterscheibe steht, oder im Winter, wenn geheizt wird. Als Vorbeugung empfiehlt es sich, die Pflanze auf einen, mit einer Schicht Kies belegten Unterteller zu stellen, die man ständig feucht hält. Desweiteren sollte man die Blätter mindestens einmal täglich beidseitig mit kalkarmem Wasser besprühen. Ist der Bonsai bereits von Spinnmilben befallen, muss man ihn mit einem geeigneten Insektizid , z.B. Milbenspray, Milben-Stop, Natur-Insektizid, Bio Insektizid-Stop, behandeln. Vorbeugend eignet sich Contra X2 sehr gut.
       
         
Springschwänze:        
Diese Bodenbewohner sieht man oft nur beim Giessen, wenn sie auf der Erdoberfläche oder im Unterteller sich hüpfend fortbewegen. Die weissen, 1 bis 3 mm kleinen Urinsekten gehören zu den wichtigsten Aufbereitern von Humus. Sie ernähren sich vorwiegend von toten Pflanzenteilen in der Erde und sind an sich nicht schädlich für den Bonsai. Ausser sie treten in Massen auf, dann sollte etwas gegen sie unternommen werden.
Was kann man gegen Springschwänze tun?
Da sie nur in nasser Erde lebensfähig sind, kann man erst versuchen die Erde trockener zu halten. In der Regel reduzieren sie sich dadurch auf ein unschädliches Mass. Sollte dies nichts nützen, kann man z. B. Gesal Decis Giessmittel giessen.
       
         
Trauermücken:        
Diese Mückenart kann 1 bis 7 mm gross werden und ist dunkel gefärbt. Das fliegende Insekt ist für den Bonsai nicht schädlich, jedoch seine aus der Eiablage geschlüpften Larven. Während diese in der freien Natur zu den wichtigen Nützlingen zählen, können sie bei massenhaftem Auftreten in der Bonsaischale schädlich für die Pflanze sein. Zwar ernähren sich die Larven vorerst nur von abgestorbenem Pflanzenmaterial, ist dieses nicht mehr vorhanden, fressen sie auch an Wurzeln und anderen lebenden Pflanzenteilen.
Was kann man gegen Trauermückenbefall unternehmen?
Die Larven können nur in sehr feuchter Erde leben. Daher kann man vorerst versuchen, die Erde etwas trockener zu halten. Sollten sie aber in Massen auftreten, empfiehlt es sich, ein Giessmittel gegen die Larven zu verwenden. Gegen die fliegenden Insekten können Leimtafeln aufgestellt werden.
       
       
Weisse Fliege:        
Die sogenannte weisse Fliege ist eine Mottenschildlaus. Der Körper und die Flügel sind mit weissem Wachsstaub bepudert. Sie legen ihre Eier auf der Pflanze ab. Daraus schlüpfen frei bewegliche Larven, die in späteren Stadien unbeweglich an der Blattunterseite haften um sich zuletzt zu verpuppen. Gut sichtbar sind nur die weissen Fliegen, welche vorwiegend auf der Blattunterseite sitzen und kurz auffliegen, wenn die Pflanze berührt wird.
         
Was kann man gegen den Befall von weissen Fliegen unternehmen?
Zur Bekämpfung der weissen Fliege können Leimtafeln aufgestellt werden. Gegen die Larven spritzt man ein Insektizid. Dieses nützt jedoch gegen die weisse Fliege nur bedingt, nur wenn man sie mit dem Sprühstrahl direkt trifft. Am besten eignen sich systemische Mittel, die von der Pflanzen selbst aufgenommen werden und von innen wirken. z. B. Calypso, Contra X2, Natur-Insektizid.
         
         
Pflegefehler, physiologische Störungen
folgt in Kürze        
       
         
 



Weitere Informationen

Beratung und Soforthilfe
Bei Unklarheiten und Problemen mit dem Bonsai stehen wir Ihnen gerne mit Rat und Tat zur Verfügung. Am kompetentesten können wir Sie beraten, wenn Sie uns Ihren Bonsai zur Begutachtung in unser Geschäft mitbringen. Sie können uns aber auch ein Foto mit Angaben über Herkunft, Standort, Ihre Beobachtungen, getroffene Pflegemassnahmen etc. per Mail oder Post senden: Bonsai & Kakteen Shop, Albisstrasse 38, 8039 Zürich oder info@bonsai.ch.
Auf Wunsch nehmen wir eine kränkelnde Pflanze in Pflege oder kümmern uns während Ihrer Ferienabwesenheit um deren Wohl (pro Tag Fr. 1.50 bis Fr. 2.50, je nach Grösse). Ebenso erledigen wir anstehende Pflegearbeiten wie Umtopfen, Zurückschneiden und andere Gestaltungsmassnahmen.

Kurse
Gerne vermitteln wir Ihnen die erforderlichen Kenntnisse zur Pflege Ihres Bonsai im Rahmen unseres gezielt auf Ihre Bedürfnisse ausgerichteten Kursangebotes.
Weitergehende Informationen zu den Kursinhalten finden Sie auf www.bonsaikurs.ch

Detaillierte Hinweise zu den einzelnen Zimmerbonsaiarten
Detaillierte Hinweise der verschiedenen Pflanzenarten, deren Herkunft, Besonderheiten und spezifische Pflegetipps finden Sie in der Navigation unter der Rubrik „Bonsai“, respektive „Zimmerbonsai“ und „Gartenbonsai“: Wählen Sie den Bonsai Ihres Interesses aus der Namensliste und lesen Sie unter dem Menüpunkt „PflegeInfo“ weitere Informationen über diese Pflanzenart nach.

Eine ausführliche Broschüre über die Pflege und Gestaltung von Bonsai sowie Fachliteratur können Sie unter der Rubrik „Literatur“ bestellen.



© Renata Anselmo-Staudacher / Bonsai & Kakteen Shop Zürich